Hey, Beckstein ist ein Franke, kein Bayer, oder? *g*
Diese ganze Debatte ist doch ein alter Käse. Was rief man lange zum Kampf gegen die "Schundliteratur", die "verdummenden" Comics, auf; in den Fünfzigern und Sechzigern sah man das Ende der Zivilisation dämmern, als Christopher Lee die Zähne fletschte; in den Siebzigern waren es SCHULMÄDCHENREPORTs und Beate Uhse, die die endgültige Degeneration der Menschheit einleiteten. Und? Noch in den Siebzigern wurde DRACULA von 1958 erst ab 18 im Kino gezeigt - und tauchte in Fernsehen öffentlich-rechtlich in der Reihe "Der phantastische Film" auf. Die SCHULMÄDCHENREPORTs wurden im einstmals jungfräulichen Privatfernsehen in den Achtigern und Neunzigern bis zum Erbrechen durchgewalkt. ARTE zeigt längst Filme wie Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD als Kunstwerke des Kommerzkinos. Die Redaktion der FAZ ist fest in der Hand von euphorischen Donald-Duck-Fans, die es nicht lassen können, auch zu unpassenden Gelegenheiten ihr Idol zu zitieren. Nackte Haut gibt's heute in jedem Werbespot, echtes Gedärm in jeder Nachrichtensendung und Gerichtsmedizin-Doku, und von morgens bis abends berieseln einen "Talkshows", in denen jedes noch so entwürdigene Detail menschlicher Existenz ins grelle Licht der Scheinwerfer gerückt wird. Die Frage ist - wie immer - was ist Verursacher, was ist Symptom? Menschen verändern sich beispielsweise durch die mangelnde Zukunftsperspektive. Für Politiker sind wir nicht mehr als Steuerzahler und Stimmvieh (siehe kürzlich Frankfurt: "Mit 60% gewählt" - aber nur 30% Wähler sind überhaupt wählen gegangen, weil das "Angebot" der Politiker völlig perspektivelos für sie war. 60% von 30% ... das würde ich mir als Oberbürgermeister nicht stolz auf die Fahne schreiben), für die Wirtschaft "Humankapital". Wer arbeitslos ist oder alt, der wird feststellen, daß er für die Gesellschaft plötzlich nicht mehr das Schwarze unter den Nägeln wert ist und von Behörden und Krankenversorgern behandelt wie der letzte Dreck. Meine Güte, Robespierre, Danton, St. Just und Marat waren wahrscheinlich auch Psychophaten. Aber es waren keine Comics, keine Horrorfilme oder Killerspiele oder Groschenhefte, die sie dazu brachten, sich im Blut der Guillotine zu wälzen.
PS: Solaya, die Diskussion mit Filmen gab es schon vor Jahren - was meinst Du, was abging, als Romeros ZOMBIE ins Kino kam, und später dann Carpenters HALLOWEEN

. Bei den Büchern wurde King auch diskutiert (nicht sehr, dabei würde
ich keines seiner Bücher missen, wenn es plötzlich vom Markt wäre *g*), aber vor allem wollte man - hört, hört! - allen Ernstes den Märchenbüchern ans Leder ...
